Die merkwürdige Arbeit mancher Datenretter

Meistens erhalte ich Zuschriften von Anwendern erst dann, wenn etwas schief gelaufen ist. Natürlich, nicht jedes Medium ist zu retten und nicht jede Datenrettung kann erfolgreich sein. Aber merkwürdig wird es, wenn man ein Muster hinter der Arbeit mancher Datenretter erkennen kann. Und das nicht gut ist, sondern im höchsten Maße merkwürdig.

Köpfe in einer WD Festplatte

Die Rede ist von einem Unternehmen, das auf Google sehr agressiv mit Anzeigen um Kunden wirbt. Es ist stets sehr weit oben gelistet, was auf ein umfangreiches Budget schließen lässt. Auf den ersten Blick scheint, wie so oft, alles kostenlos zu sein. In der Wirklichkeit ist es das aber nicht.

In den letzten 12 Monaten kamen auffällig viele Mails, die sich um diesen Anbieter drehten. Hinter der kostenlos Fassade scheint sich eine Masche zu verbergen, die zu Lasten der Anwender geht. Konkret geht es um die Kosten für Ersatzteile, und um den Tausch von Leseköpfen. So, oder so ähnlich lautet dann die Diagnose:

…wurde eine Beschädigung im Bereich der Schreib-Leseköpfe des Datenträgers festgestellt. Darüber hinaus wurden weitere Schäden an der Datenträgeroberfläche ermittelt…

Mit den stets identischen Textbausteinen wird der Kunde des Datenretters darauf hingewiesen, dass der Tausch der Schreib- und Leseköpfe dringend nötig ist um die Daten zu retten. Natürlich ist das nicht kostenlos, sondern schlägt mit einigen 100 € zu Buche. Und, um die Sache perfekt zu machen, kann es sein, dass der Tausch nicht nur einmal fällig wird. Sondern zweimal, was dann schon eine stattliche Summe zu Lasten des Kunden ergibt.

Mehrere 100 € für Schreib-Leseköpfe?

Das Argument in den Anschreiben ist, dass die Köpfe beim Lesevorgang „verbrennen“ können. Können Sie das wirklich? Ich bin kein Fachmann und frage per Mail bei einem Datenretter nach. Die Antwort, die ich erhalte, ist interessant. Es gibt Festplatten, wo sich Köpfe und Medien gegenseitig „verbrennen“. Allerdings sind das ältere Fabrikate von Hitachi, die durch eine legendär hohe Fehlerquote und lautes Klackern von sich reden machten.

Bei modernen Medien gibt es kaum Auffälligkeiten. Jedenfalls nicht solche, dass massenhaft Kunden zweimal zu einem Tausch von Köpfen genötigt werden, die sie dann bezahlen müssen. Dass es am Ende in der Regel zu keiner Datenrettung kommt, weil unvorhergesehene Ereignisse die Rettung vereitelten, ist als Endresultat leider so.

Datenrettung. Keine Kosten für Ersatzteile!

In den vergangenen 12 Monaten wurde ein Unternehmen, das in Deutschland seine Dienste anbietet, mit dieser Masche auffällig. Der Kunde sitzt effektiv am kürzeren Hebel, weil die AGB des Anbieters dieses Geschäftsmodell nachhaltig absichern. Ausserdem kann der Kunde niemals einen Nachweis führen, ob die bezahlten Ersatzteile wirklich zum Einsatz kamen.

Misstrauen ist angebracht! Seien Sie vorsichtig, wenn Sie für Ersatzteile zur Kasse gebeten werden sollen. Seriös agierende Datenretter gehen so nicht vor. Kosten für sämtliche Ersatzteile sind bei den Marktführern in den Analyse-Pauschalen oder in den Reinraum Kosten mit enthalten.

Leisten Sie keine Vorkasse, überlegen Sie diesem Anbieter ihr Vertrauen zu entziehen! Im Falle von folgenden Rechtsstreitigkeiten haben Sie die Beweislast zu führen. Als Laie, selbst mit einem später hinzu gezogenen Gutachter, haben Sie vor Gericht keine Chance. Suchen Sie sich eine Datenrettungs-Firma, die ihre Kunden nicht für zusätzliche Ersatzteile zur Kasse bittet!

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