Rückblick Cyberbedrohungen 2016

Zu den größten Cyberbedrohungen des Jahres 2016 zählen der Untergrundhandel von zehntausenden Zugangsdaten kompromittierter Server, gekaperte Geldautomatensysteme, Cybererpressung und ein starker Anstieg mobiler Banking-Malware, genauso wie zielgerichtete Cyberspionage sowie das Hacken und Verbreiten sensibler Daten.

Cyberbedrohungen 2016. Grafik: Kapersky

Diese Trends und deren Auswirkungen gehen aus der Statistikanalyse sowie einem Jahresrückblick im Rahmen des Kaspersky Security Bulletin hervor.

Gemäß der Jahresanalyse von Kaspersky Lab gehört Deutschland hinsichtlich der Infizierungsgefahr über das Internet zur Risikogruppe. So war etwa jeder vierte Nutzer (26,2 Prozent) von Kaspersky-Lösungen mindestens einmal im Jahr 2016 einer Webattacke ausgesetzt.

Das Jahr 2016 aus Perspektive der Cybersicherheit

  • Zugänge auf gehackte Server im Sonderangebot: Dass der Cyberuntergrund so komplex und groß wie nie zuvor ist, zeigt der xDedic-Marktplatz , über den mehr als 70.000 Zugangsdaten für gehackte Server zum Kauf angeboten wurden.
  • Erneuter großer Cyberbanküberfall: Der größte Finanzraubüberfall des Jahres hatte es auf das SWIFT-System abgesehen, mit einer Beute in Höhe von 100 Millionen US-Dollar.
  • Kritische Infrastruktur cybergefährdet: Im Rahmen von BlackEnergy, einer Cyberattacke auf den ukrainischen Energiesektor, wurde Ende des Jahres 2015 und  2016 das Energieversorgungsnetz deaktiviert, Daten zerstört und DDoS-Attacken durchgeführt. Im Jahr 2016 haben die Experten von Kaspersky Lab auch explizit die Gefahren für industrielle Kontrollsysteme analysiert und weltweit 188.019 ICS-Rechner (Hosts) entdeckt, die über das Internet erreichbar waren; davon sind 13,9 Prozent in Deutschland beheimatet.
  • Täuschung und falsche Fährten bei Cyberangriffen: Zielgerichtete Attacken lassen sich immer schwerer analysieren. Die Spionageplattform ProjectSauron setzte beispielsweise für alle Zielobjekte maßgeschneiderte Tools ein. Die bisher von Sicherheitsforschern genutzten Indikatoren einer Cyberinfizierung (Indicators of Compromise, IoCs) werden dadurch weniger effektiv.
  • Politisch sensible Daten verbreiten: Die Online-Verbreitung riesiger Datenmengen kann direkten Einfluss darauf haben, was Menschen denken und glauben. Das zeigte nicht zuletzt der Fall ShadowBrokers, sondern auch weitere Verbreitungen privater und politischer Daten.
  • Das Internet der Dinge (IoT) als riesiges Botnetz: Zudem zeigte das Jahr 2016, dass Kameras, DVD-Spieler oder Router Teil einer globalen Cyberarmee – bestehend aus kompromittierten Geräten im Internet der Dinge – werden können. Die mit dem Mirai-Fall zusammenhängenden Botnetzangriffe scheinen wohl nur der Anfang zu sein.

Das Jahr 2016 in Zahlen

  • Mehr Schädlinge: Die Cloud-Datenbank von Kaspersky Lab für Schadprogramme enthält aktuell eine Milliarde schädliche Objekte, darunter Viren, Trojaner, Backdoors, Ransomware sowie Werbe-Apps und ihre Komponenten. Die Steigerung ist exponentiell, von 70.000 täglich entdeckten Schädlingen im Jahr 2011 auf 323.000 Objekte pro Tag im Jahr 2016, angestiegen.
  • Angriffe auf Online-Banking werden mobil: 36 Prozent der Online-Banking-Attacken weltweit greifen mittlerweile Android-Geräte an, im Jahr 2015 waren es noch acht Prozent [8].
  • Aus Deutschland stammen die drittmeisten Online-Angriffe: 262 Millionen URL-Adressen wurden von den Lösungen von Kaspersky Lab als maliziös klassifiziert. Zudem gab es weltweit 758 Millionen Online-Attacken auf Nutzer von Kaspersky-Lösungen.
  • Geldautomaten-Malware: Im Jahr 2016 wurden acht neue Malware-Arten für Kassensysteme (Point of Sale, PoS) und Geldautomaten entdeckt – das ist eine Steigerung um 20 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
  • Viren über Google-Play-Store: Hacker haben den Google-Play-Store zur Verbreitung von Android-Malware genutzt, über infizierte Apps, die hunderttausende Male heruntergeladen wurden.

„Die Anzahl und der Umfang von Cyberangriffen und ihren Opfern hat dazu geführt, dass Cybersicherheit mittlerweile eine sehr hohe Priorität genießt“, sagt David Emm, Sicherheitsforscher bei Kaspersky Lab. „Die Entdeckung von Cyberbedrohungen ist heutzutage ein komplexer Prozess, der eine Security Intelligence, tiefgreifende Kenntnisse über Cyberbedrohungen sowie die Fähigkeit erfordert, dieses Fachwissen einzelnen Organisationen zu Gute kommen zu lassen.

Kaspersky Lab stellt entsprechende Technologien und Dienstleistungen im Rahmen seiner Security Intelligence Services zur Verfügung. Zudem sind Partnerschaften und Kooperationen verschiedenster Stellen im Kampf gegen Cyberkriminalität notwendig. Unser Ziel ist es, unsere Kunden vor unbekannten Gefahren zu schützen, noch bevor diese überhaupt imstande sind, Schaden anzurichten.“

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